Programmieren lernen – Teil 9 (Der Editor)

In diesem Artikel geht es darum, was ein Editor ist und welche Editoren es gibt. Es wird erklärt, wozu man einen Editor braucht und wie man ihn benutzt.

Der Editor

Ein Editor ist vergleichbar mit einem Textverarbeitungsprogramm (Microsoft Word, OpenOffice Writer, LibreOffice Writer). Man kann darin Text schreiben (editieren) und in Dateien abspeichern. Der Text in einem Editor ist nicht dazu gedacht, ausgedruckt zu werden. Deshalb gibt es keinen Seitenumbruch, sondern es kann beliebig weit nach unten geschrieben werden. Es ist, als wäre die Seite, auf die man schreibt, unendlich lang. Und auch in die Zeilenbreite, also nach rechts, gibt es keine Begrenzung.

Was man in einem Editor nicht macht, ist den Text zu formatieren, also etwa Schriftarten, Schriftgrößen oder Farben zu ändern. Daran erkennt man schon, dass es in einem Editor nicht um Design und Gestaltung geht, sondern rein um den Inhalt des Textes. Man nennt sie deshalb auch Texteditoren.

Meistens ist in einem Texteditor eine so genannte “nichtproportionale” Schriftart eingestellt, z. B. “Courier New”. Das bedeutet, der Buchstabe “i” ist genau so breit wie ein “m”, anders als dies bei einer “proportionalen” Schriftart der Fall ist. Der Grund hierfür ist die größere Übersichtlichkeit im Programmiersprachen-Text.

Befehle formulieren

Wir haben bereits gelernt, dass programmieren bedeutet, Befehle in einer Programmiersprache zu formulieren. Diese Befehle sagen genau aus, was der Zweck des Programms ist, was das Programm machen soll. Bisher war jedoch nicht klar, wie das genau geht: Wir müssen Befehle in der Programmiersprache Java als Text formulieren und in einem Texteditor niederschreiben. Diesen Text speichern wir dann in eine Datei ab. So können wir den Text jederzeit wieder verändern, wenn wir später eine Änderung am Programm vornehmen wollen. Genau dieser Text ist es, bzw. die Datei, in der dieser Text abgespeichert wurde, der dann in Maschinensprache, bzw. bei Java erst in eine Zwischensprache, dann in Maschinensprache, übersetzt wird.

Von Java-Befehlen zum ausführbaren Programm

So wird der Arbeitsvorgang langsam klarer: Der Programmierer schreibt Java-Befehle in einem Texteditor, speichert diese in eine Datei ab, die Datei wird in eine Zwischensprache übersetzt, an den Benutzer gegeben, der Benutzer übersetzt die Zwischensprache beim Starten des Programms automatisch in Maschinensprache, das Programm kann so ausgeführt werden.

Verschiedene Editoren

Es gibt viele verschiedene Texteditoren. Auf jedem Betriebssystem (Windows, Linux, MacOS, etc.) ist bereits mindestens ein Texteditor vorhanden, den wir für den Anfang auf jeden Fall verwenden können.

Windows Unter Windows ist dies schlicht der “Editor”, und liegt im Programm-Menü unter “Zubehör”.
Linux Unter Linux kommt es darauf an, welche Variante von Linux (Ubuntu, Debian, openSUSE, Fedora, etc.) und welchen Fenster-Manager (Gnome, KDE, xfce, etc.) man verwendet. Je nach dem sind dann bestimmte Editoren vorinstalliert. Unter Gnome sind dies oft “gedit”, unter KDE beispielsweise “kate”. Diese liegen zumeist in einem “Zubehör”-Menü. Es können aber unzählige weitere Editoren beispielsweise über die entsprechende Paketverwaltung nachinstalliert werden.
MacOS In MacOS kann man “TextEdit” verwenden.

Ein Beispiel-Befehl

An dieser Stelle öffnen wir zum ersten Mal einen Editor. Es ist meistens ein Fenster mit einem weißen Textbereich, der den größten Teil des Fensters einnimmt. Oben gibt es fast immer ein Menü mit Einträgen wie “Datei”, “Bearbeiten”, “Ansicht” usw…
Wie in einem Textverarbeitungsprogramm kann man auch in einem Texteditor schreiben was man möchte. Ein Editor ist nämlich nicht speziell ein Programmier-Werkzeug. Es kann auch für die Einkaufsliste, ein Tagebuch oder beliebige andere Informationen in Textform verwendet werden. Auch viele Dateien, mit denen man ein Betriebssystem verwalten kann, werden üblicherweise mit Texteditoren bearbeitet.

Tippen wir doch einfach mal einen Befehl in den Editor ein:

Computer, ich befehle Dir, addiere die Zahlen 3 und 5,
und schreibe das Ergebnis in die Kommandozeile.

Diesen Befehl haben wir nun in “Deutsch”, nicht in “Java” formuliert. Das folgt erst im nächsten Schritt. Aber immerhin steht schon ein Befehl im Editor. Und diesen wollen wir jetzt in eine Datei abspeichern. Dazu wählen wir oben im Menü den Punkt Datei > Speichern. Es öffnet sich ein “Speichern”-Fenster, weil der Editor wissen möchte, in welchem Ordner die Datei abgespeichert werden soll, und wie die Datei heißen soll.

Speicherort und Dateiname

Für jedes Programm, das wir entwickeln, sollten wir einen eigenen Ordner anlegen, weil jedes Programm auf seiner ganz eigenen grünen Wiese entwickelt wird. Alle Dateien, die mit dem Programm zu tun haben, werden in diesem Ordner abgelegt. Dazu gehören sowohl die Befehls-Dateien, die bei uns in der Programmiersprache Java geschrieben sind, als auch alle anderen Dokumente, die der Programmierer zur Erstellung des Programms benötigt. Das könnten Text- und Tabellen-Dokumente sein, die zur Planung des Programms verwendet werden. Aber es werden auch beispielsweise Grafiken und Musik-Dateien in diesem Ordner abgelegt, die dann direkt im Programm eingebaut werden, z. B. in einem Spiel.
Es gibt keine Vorgabe, wo auf dem Computer der Ordner erstellt werden muss. Ein “Projekte”-Ordner, der alle zukünftigen Programm-Projekte beinhaltet, ist eine gute Idee. Dieser könnte dann unter Windows in den “Eigenen Dateien” liegen (“Persönlicher Ordner” oder “Home” unter Linux, “Benutzerordner” unter MacOS). Also legen wir diesen “Projekte”-Ordner jetzt an. Darin legen wir noch einen Unterordner “ErstesProjekt” an. Leerzeichen in Ordnernamen, sowie auch in Dateinamen, sind zwar erlaubt, aber vor Allem bei der Arbeit mit der Kommandozeile ist dies hinderlich und schafft unnötige Probleme. Deshalb sollten wir aus Gründen der Leserlichkeit statt Leerzeichen an entsprechenden Stellen Unterstriche oder “camel case” verwenden. “Camel case” bedeutet, Wörter so zusammen zu setzen, dass innerhalb eines Wortes mit einem Großbuchstaben begonnen wird, wie bei “ErstesProjekt”.

Als Dateinamen wählen wir für unser obiges Beispiel “ZweiZahlenAddieren.deutsch” aus. “ZweiZahlenAddieren” drückt ganz einfach den Zweck des Programms mit “camel case” aus, gefolgt von “.deutsch”. Dies wird “Dateiendung” oder “Dateinamens-Erweiterung” genannt. Allgemein ist eine Dateiendung dazu gedacht, zu beschreiben, um was für eine Datei es sich handelt, ohne dass man sich den Inhalt der Datei anschauen muss. Beispiele: Einfache Text-Dateien haben oft die Dateiendung “.txt”, also z. B. “Tagebuch.txt”. Microsoft Word-Dokumente heißen fast immer “.doc”, es gibt Videos, die mit “.mov”, für “Movie”, enden. Bei Dateien, die Programmiersprachen-Befehle enthalten, hat es sich eingebürgert, dass die Datenendung die Sprache bezeichnet, die die Datei enthält. Wir werden also viel mit “.java”-Dateien zu tun haben. Die Programmiersprache “C” ist immer in “.c”-Dateien zu finden, Pascal wird in “.pas”-Dateien abgespeichert. Um diese Konvention konsequent zu verwenden, und dass wir uns jetzt schon einmal daran gewöhnen, heißt unsere Beispiel-Datei “ZweiZahlenAddieren.deutsch”, weil der Befehl in Deutsch geschrieben ist.

Windows Dateinamens-Erweiterung in Windows anzeigen

Eine Dateiendung gehört vollständig zum Datennamen dazu. Auf Windows-Computern wird diese Dateiendung aber zum Teil ausgeblendet, d. h. sie ist u. U. im Dateibrowser “Windows Explorer” nicht zu sehen. Von unserem kompletten Dateinamen “ZweiZahlenAddieren.deutsch” wäre dann nur “ZweiZahlenAddieren” sichtbar, “.deutsch” wäre unsichtbar. Dieses irreführende Verhalten des Windows Explorers wollen wir als Programmierer nicht haben. Gut, dass es sich abschalten lässt. Zu finden ist diese Funktion in den “Ordneroptionen”, sie heißt “Erweiterungen bei bekannten Dateitypen ausblenden”. Falls der Haken aktiviert sein sollte, muss man diesen einfach wegklicken und schon werden auch unter Windows korrekterweise bei allen Dateien die Endungen dargestellt.

Fazit

Wir wissen nun, was ein Editor, bzw. ein Texteditor ist, und wozu man ihn braucht. Wir haben sogar schon eine erste Datei damit angelegt, die einen Programmiersprachen-Befehl enthält, allerdings in Deutsch, nicht in Java.

This entry was posted in Programmieren lernen. Bookmark the permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong> <pre lang="" line="" escaped="" highlight="">